Es beginnt mit einem leisen Gefühl von Dringlichkeit. Fast unmerklich zieht es sich durch den Raum, noch bevor das erste Licht die Bühne berührt. Als würde jemand unter Wasser nach oben steigen, tastend, suchend – nach Luft. Und dann ist er da, dieser Moment: Musik hebt an, das Publikum hält inne. Ein gemeinsamer Atemzug.
Mit der Uraufführung von „Coming Up for Air“ am 14. März 2026 wurde die Oper Leipzig zum Schauplatz eines besonderen Ereignisses – nicht nur künstlerisch, sondern auch als Ausdruck gelebter Unterstützung. Denn was an diesem Abend auf der Bühne geschah, hatte seinen Ursprung lange zuvor: in einer Partitur, deren Entstehung auch vom Förderkreis der Oper Leipzig begleitet und ermöglicht wurde.
Eine Partitur als Brücke zwischen Idee und Wirklichkeit
Die Arbeit an diesem Werk begann bereits 2019 – mit der Suche nach einem Thema, das trägt. Aus Sarah Leipcigers Roman„Das Geschenk des Lebens“ entwickelte Librettistin Jessica Walker eine vielschichtige Bühnenfassung, die Bernd Franke in eine ebenso vielschichtige musikalische Sprache übersetzte.
Doch zwischen Idee und erklingender Oper liegt ein entscheidender Schritt: das Schreiben der Partitur. Sie ist das Herzstück jeder Oper – die unsichtbare Architektur, die alles zusammenhält.
Dass diese Partitur entstehen konnte, ist auch dem Engagement des Förderkreises zu verdanken. Seine Unterstützung hat einen Raum geöffnet, in dem künstlerisches Risiko möglich wird – und in dem neue Werke überhaupt erst entstehen können.
Drei Leben, ein Thema: Luft
Was auf dieser Grundlage entstand, ist ein Werk von großer emotionaler Tiefe. In drei miteinander verwobenen Erzählsträngen begegnen wir Menschen, deren Leben am Atem hängt:
- einer jungen Frau im Paris des späten 19. Jahrhunderts, deren Schicksal zur Legende wird,
- einem norwegischen Puppenbauer, der nach dem Verlust seines Sohnes eine lebensrettende Übungspuppe entwickelt,
- und einer jungen Journalistin in der Gegenwart, die um jeden Atemzug kämpft.
Diese Geschichten verbindet kein linearer Handlungsfaden, sondern ein existenzielles Motiv: der Atem als Ursprung und Maß des Lebens. Schon im Vorfeld wurde die Oper als „große Erzählung über den Atem“ beschrieben – als ein Werk, das Erinnerung, Verlust und Hoffnung miteinander verknüpft. [leipziginfo.de]
Ein Abend, der trägt
Die Premiere selbst bestätigte, was sich in der langen Entstehungszeit angedeutet hatte.
„Mit schönen Klangfarben und herausragendem Ensemble“ überzeugte die Uraufführung laut Roberto Becker von Die Deutsche Bühne Publikum und Kritik gleichermaßen. [die-deutsc…-buehne.de]
Andere Stimmen beschrieben die Musik als „kraftvoll wogenden Strom“, der die unterschiedlichen Zeiten und Räume miteinander verbindet. [orpheus-magazin.de]
Besonders eindringlich war der Eindruck des Beginns: ein musikalisches Bild von Wasser, das sich entfaltet, schillert und schließlich Instrument für Instrument nach oben strebt – wie ein kollektives Auftauchen zur Oberfläche.
Und am Ende: „Das Publikum reißt es bald nach ihrem Schluss aus den Sitzen. Es bejubelt zurecht Solisten und Chor der Oper Leipzig, das Gewandhausorchester unter der Leitung von Matthias Foremny. Es feiert das Regieteam – und ganz besonders den 67-jährigen Leipziger Komponisten, der zweieinhalb Stunden lang Wohltönendes kompiliert hat.“ wie Peter Korfmacher am 15.03.2026 in der Leipziger Volkszeitung berichtete.

Warum solche Abende möglich sind
In einer Zeit, in der neue Opernwerke selten geworden sind, trägt jedes einzelne Projekt eine besondere Verantwortung. Es geht nicht nur um eine Premiere – sondern um die Frage, wie Musiktheater weitergedacht wird.
Die Förderung der Partitur durch den Förderkreis zeigt, wie entscheidend bürgerschaftliches Engagement dabei ist. Ohne diese Unterstützung gäbe es diesen Abend vielleicht nicht in dieser Form. Keine Musik, die sich ihren Weg durch das Orchester bahnt. Keine Figuren, die uns so nah kommen, dass wir ihren Atem spüren.
Wer solche Projekte ermöglicht, schreibt ein Stück Operngeschichte mit – oft unsichtbar, aber mit nachhaltiger Wirkung.
Ein leiser Appell
Es sind Abende wie dieser, die bleiben. Nicht nur wegen der Musik, sondern wegen des Gefühls, dabei gewesen zu sein, wenn etwas zum ersten Mal geschieht.
Vielleicht ist es genau das, was der Förderkreis ermöglicht: nicht nur Aufführungen, sondern Erlebnisse. Momente, in denen Kunst entsteht – und uns verändert.
Und vielleicht ist es auch eine Einladung.
An alle, die diesen Ort lieben.
An alle, die wollen, dass neue Werke weiterhin ihren Weg auf die Bühne finden.
Denn jede Unterstützung ist ein Beitrag dazu, dass solche Geschichten weiter erzählt werden. Dass neue Partituren entstehen. Und dass wir auch in Zukunft gemeinsam im Zuschauerraum sitzen – und für einen Augenblick bewusst Luft holen.

