Ein sommerlicher Abend des Innehaltens
Es ist ein früher Sommerabend im Mozart-Foyer der Oper Leipzig. Durch die hohen Fenster fällt noch das warme Licht dieses 9. Juni 2026, während sich Mitglieder des Förderkreises, der Freunde der Musikalischen Komödie und des Leipziger Balletts versammeln. Die Gespräche sind lebendig, die Erwartungen spürbar – denn dieser Abend ist mehr als ein Austausch. Es ist ein Innehalten, ein Rückblick, ein leiser Abschied.
Persönliche Worte und gemeinsames Erinnern
Der scheidende Intendant Tobias Wolff tritt nach vorn. Seine Begrüßung ist herzlich, persönlich, geprägt von echter Verbundenheit. Er dankt den anwesenden Fördervereinen – nicht routiniert, sondern konkret: für gemeinsame Projekte, für Vertrauen, für Unterstützung in vielen Momenten. Erinnerungen werden wach – an das detailverliebte Fabergé-Ei in „Lady Macbeth von Mzensk“, an die Förderung des Kinderchores, an das Gänseessen mit den Ballettfreunden oder die Ausstellung zur Geschichte der Musikalischen Komödie. Es sind diese scheinbar kleinen Episoden, die das große Ganze sichtbar machen: ein Netzwerk, das trägt.
Dass dieser Abschied kein leichter ist, verschweigt Wolff nicht. Die vergangenen Monate waren von intensiver medialer Aufmerksamkeit rund um die finanzielle Situation der Oper geprägt. Umso mehr richtet sich sein Dank an die Leipziger Runde, an alle, die in dieser Zeit hinter der Oper standen. Und doch bleibt der Blick nach vorn gerichtet – auf den 27. Juni, wenn er sich mit Händels „Giulio Cesare in Egitto“ verabschieden wird.
Auch Jens Geßner, Vorsitzender der Freunde der Musikalischen Komödie, knüpft daran an. Er erinnert an Wolffs Amtsantritt im Februar 2021 und hebt dessen Leitmotiv hervor: „Qualität, Nähe und Nachhaltigkeit“. Vor allem die Nähe – zum Publikum, zu den Künstlerinnen und Künstlern, zu den Förderern – sei ein Gewinn gewesen. Aus ihr seien Projekte gewachsen, die ohne diese gelebte Zusammenarbeit nicht denkbar gewesen wären.
Ein Blick hinter die Kulissen
Im anschließenden Gespräch öffnet sich ein Blick hinter die Kulissen, der weit über Anekdoten hinausgeht. Wolff spricht über sein Lieblingsbühnenbild – „Don Giovanni“, ein Werk voll unzähliger Details, geschaffen in enger Zusammenarbeit aller Gewerke. Und er beschreibt den Weg dorthin: von der ersten Idee über Modellbau und Bauproben bis hin zu den szenischen Proben. Rund zwei Jahre Entwicklungszeit, etwa 5000 Arbeitsstunden – und ein Budget, das die Dimension solcher Kunst sichtbar macht. Oper, das wird an diesem Abend deutlich, ist immer auch ein Gemeinschaftswerk.
Ein besonders eindrückliches Bild liefert er, wenn er vom Fundus spricht: 15.000 Quadratmeter Raum für Bühnenbilder, Jahr für Jahr neu sortiert. Was nicht mehr benötigt wird, wird größtenteils recycelt oder für gemeinnützige Projekte zur Verfügung gestellt. Auch hier zeigt sich: Nachhaltigkeit ist kein Schlagwort, sondern gelebte Praxis.

© Maik Kaufhold
Erinnerungen, die bleiben
Auf die Frage, was bleiben wird, antwortet Wolff nachdenklich, man merkt sein Herz steckt in allen Produktionen: „Undine“ als Auftakt, „Coming Up for Air“ als Ergebnis von fünf Jahren intensiver Arbeit – und „Regina“ als letzte Premiere. Dazu kommen Erinnerungen aus dem Ballett, etwa „Romeo und Julia“, und aus der Musikalischen Komödie mit Produktionen wie „The Producers“ oder „Der Waffenschmied“. Besonders hebt er das Lortzing-Festival hervor – ein Projekt mit internationaler Strahlkraft, das zugleich auch kritische Stimmen für Berlin, die Geburtsstadt des Komponisten, provozierte.
Immer wieder kehrt das Gespräch zur Zusammenarbeit zurück: mit dem Gewandhausorchester, dessen unverwechselbarer Klang jede Produktion prägt; mit der Stadtpolitik, die in unzähligen Sitzungen und Abstimmungen eingebunden ist; und zwischen den Sparten selbst, die ihre Kräfte bündeln – nicht immer einfacher, aber notwendig.
Ein Abschied, der verbindet
Was bleibt, ist das Gefühl eines Intendanten, der seine Zeit in Leipzig bewusst gestaltet hat – mit klaren Vorstellungen, mit Offenheit für Neues und mit dem Willen zur Verbindung.
Am Ende steht ein Dank. Andreas Nowak, Vorsitzender des Förderkreises, findet persönliche Worte: für die Zusammenarbeit, für das Engagement, für die Jahre in Leipzig. Und er formuliert, was an diesem Abend zwischen den Zeilen immer wieder spürbar war: dass Menschen und Orte sich nicht einfach voneinander verabschieden.
Sie bleiben. In Erinnerungen, in Erlebnissen – und, wie er sagt, „in unseren Herzen“.

